Anmerkung vom Cyberfux
In der Serie Mein OS begrüße ich Ulf als nächsten Gastautor und bin mal gespannt was er zu sagen hat…
Mein OS: Mac OS X
Zuallererst ein Dankeschön an Cyberfux, den Betreiber dieses Blogs für die Möglichkeit, hier einen Gastbeitrag zu hinterlassen.
Kurz zu meiner Person: Ich heiße Ulf, bin 28 Jahre alt, Student der Praktischen Informatik, Freiberufler (IT) und seit mittlerweile über vier Jahren überzeugter Nutzer von Mac OS X.
Meine eigene Computerhistorie begann 1989 mit einem Amiga 2000 von Commodore, in dessen Gehäuse neben dem Amiga auch noch eine Steckkarte mit einem PC-Mainboard samt 8088-Prozessor saß. Ich “arbeitete” damals also sowohl mit dem sehr genialen Amiga OS 1.3 als auch mit MS-DOS 3.0. Bei Freunden meiner Eltern schnupperte ich außerdem immer wieder mal Atari-Luft. Schon damals verstand ich nicht, wieso Microsoft sich in der Computerwelt überhaupt durchsetzen konnte, da die MS-Systeme die einzigen ohne grafische Oberfläche waren. Die UIs von Apple (hören-sagen), Commodore und Atari waren ausgereift und funktionierten hervorragend, unter MS-DOS musste ich nach wie vor alles per Kommandozeile machen. Ein Graus, aus meiner damaligen Sicht. 1995 war dann aber die Zeit gekommen, der Amiga musste raus, er hatte schon die eine oder andere Macke und war einfach hoffnungslos veraltet mit seinem 7,19 MHz starken Motorola 68000, der 32 MB großen Festplatte und 1,5 MB RAM. Ein PC sollte her, wobei der Mac schon damals eine Alternative gewesen wäre. Nur leider zu teuer, außerdem wollte ich spielen… Es wurde also ein PC. Ein Pentium mit 100 MHz, 16 MB RAM, 1,6 GB HDD (die Quittung ist mir kürzlich beim Aufräumen wieder in die Hände gefallen). Windows 95 war gerade erschienen, endlich konnte man auch an einem PC halbwegs vernünftig mit grafischer Oberfläche arbeiten. Leider war Windows 95 instabil wie nichts gutes, es dauerte eine ganze Weile, bis der PC endlich vernünftig und sauber lief. Die meisten Spiele liefen aber ohnehin weiterhin unter MS-DOS, die Instabilität von Windows war also nicht soooo tragisch
. 1999 kam dann mein erster, komplett eigener PC (die Maschinen davor waren Familien-Computer). Ja, wieder ein PC. In den nachfolgenden Jahren ging das so weiter, es wurden weitere PCs angeschafft. Als Betriebssystem kam beinahe ausschließlich Windows zum Einsatz. Um 1997 herum habe ich meine ersten SUSE-Datenträger in den Händen gehalten und damit rumgespielt. Leider mehr oder minder erfolglos. Während meiner Ausbildung (1999 – 2002) kamen angeleitete Linux-Berührungen dazu, aber auch damals wollte der Funke nicht überspringen, zu rudimentär waren die damaligen Desktops.
Meinen ersten Mac (damals ein Clon von Umax, glaube ich) habe ich im Rahmen eines Schulpraktikums in der 10. Klasse in die Finger bekommen. Ich habe damals als Schrauber in einem Musikladen gearbeitet und die PCs für die Kunden gebaut. Als mein damaliger Chef mir dann diesen Mac-Clon zum Einrichten in die Hand drückte, war ich erst etwas ängstlich, weil ich bisher nur mit Windows was zu tun hatte und von Macs keinerlei Ahnung hatte. Aber auch schon vor OS X war Mac OS ziemlich simpel. Für die Einrichtung habe ich keine fünf Minuten gebraucht, danach war das System einsatzbereit. Ich weiß noch, dass ich an diesem Arbeitstag nach Hause kam und gleich versucht habe, mein Windows (98?) so aussehen zu lassen wie Mac OS (9). Ab diesem Tag wollte ich einen Mac haben. Leider wollte ich auch spielen und hatte als Schüler einfach keine Kohle für einen Mac und einen PC (oder Spielekonsole). Der Wunsch nach einem Rechner von Apple verfolgte mich in den nun kommenden Jahren. Ich baute mein Windows oder Linux optisch so um, dass es aussah wie OS X, installierte alle möglichen Zusätze, um ein OS-X-ähnliches System zu bekommen und träumte von meinem ersten eigenen Mac. Ich kannte damals OS X nur aus Videos, hatte also keinerlei Ahnung von dem System, fand aber allein schon die Optik so genial, dass ich Stunden in die Imitation investierte.
2005 begann ich mit meinem Studium. Da stand für mich fest, dass ich unbedingt ein Notebook brauche. Zuvor habe ich diese Geräteklasse für mich als völlig überflüssig empfunden, da ich unterwegs einfach keinen Rechner brauchte. Fürs Studium aber musste so ein Gerät unbedingt her. Und es wurde… ein Apple PowerBook G4 15″. Über 2.000 € habe ich für das Gerät damals ausgegeben, aber das Gerät war es auch wert. Damals basierten die Macs noch auf den PowerPC-CPUs von IBM, in meinem Notebook steckte die 1,67 GHz starke Variante des PowerPC G4. Das System schlug in Sachen gefühlter Performance jedes andere Gerät, das ich jemals in den Händen gehalten habe. Ich war glücklich und wollte nie nie wieder etwas anderes als OS X nutzen.
In der nun kommenden Zeiten fing ich an, Java-Programme unter OS X zu schreiben, ärgerte mich über Professoren, die unbedingt das Visual Studio für ihre Labore eingesetzt sehen wollten und gewöhnte mich immer mehr und mehr an den Workflow unter OS X. Probleme beim Umstieg nach rund 10 Jahren Windows-Nutzung hatte ich eigentlich nicht. Nur Akzeptanzprobleme hatte ich zu verzeichnen, beinahe jeder meiner Freunde, der etwas computeraffiner war, erklärte mich für verrückt, etwas anderes als Windows einzusetzen und so viel Geld für ein Notebook auszugeben. Die typische Argumentation vieler, die man auch immer wieder in den einschlägigen Foren liest: Apple sei total überteuert, anderswo würde man das gleiche für rund die Hälfte des Geldes bekommen, etc. Mir war das egal. Und nach und nach, insbesondere nach Apples Switch zu Intel, kauften sich immer mehr Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis Macs. Selbst die größten Kritiker haben mittlerweile eingesehen, dass es eben keine Geldverschwendung ist, Systeme von Apple zu kaufen. Wer einmal den absolut genialen Workflow von Apple-Systemen erlebt hat, möchte nur selten etwas anderes jemals wieder nutzen.
Mittlerweile befinden sich einige Geräte von Apple in meinem Besitz: iMac 24″, MacBook white, AirPort Extreme, AirPort Express, iPhone 3G. Zwischendurch habe ich auch noch einen gebrauchten iMac und einen gebrauchten PowerMac G3 in meinen vier Wänden gehabt, die habe ich mittlerweile aber allesamt wieder verkauft.
Derzeit setze ich sowohl auf meinem iMac als auch meinem MacBook Mac OS X Leopard ein, Snow Leopard habe ich just heute beim hiesigen GRAVIS Store vorbestellt. Am kommenden Freitag (28.08.09) kann ich meine Lizenzen voraussichtlich abholen. Und ich freu mich schon jetzt wie ein kleines Kind. Auf meinem PowerBook G4 war Mac OS X 10.3 Panther vorinstalliert, einige Tage später erhielt ich meine Upgrade-DVD auf Mac OS X Tiger. Die Unterschiede waren enorm, das neue System lief schneller als das alte. Beim Wechsel von Tiger auf Leopard erwartete mich das selbe Gefühl, der Geschwindigkeitsschub war spürbar.
Wieso ich von Mac OS (und Apple) so überzeugt bin? Nun, sicher, die Hardware ist nicht gerade billig, aber das Geld auch wert. Ich habe noch nie so sauber verarbeitete Geräte wie die von Apple gesehen. Meinen iMac beispielsweise kann man im Betrieb kaum hören, das MacBook ist ebenfalls fast unhörbar. Selbst unter Volllast wird der iMac nicht merklich lauter, das MacBook fängt dann zwar an zu lärmen, aber auch hier ist die Lautstärke nicht unangenehm.
Das Betriebssystem tut sein übriges. Alle mitgelieferten Anwendungen greifen zumeist nahtlos ineinander über, so ist es beispielsweise möglich, ein Fotoalbum aus iPhoto direkt an iMovie zum Erstellen einer hübsch aufgemachten Bilder-DVD zu übergeben. Oder Terminvorschläge, die man im iCal-Format als E-Mail-Anhang bekommen hat, direkt in die Kalenderapplikation iCal zu übertragen. Apple Mail(.app) erkennt Termine in E-Mail-Texten und bietet über ein Hover-Menü die Übernahme dieses Termins in den Kalender an. Mittels iChat kann man Videotelefonkonferenzen erstellen. Safari ist derzeit einer der besten und schnellsten Browser am Markt. iTunes und iPhoto waren die ersten Anwendungen ihrer Art, die es tatsächlich geschafft haben, mich davon zu überzeugen, dass es unheimlich aufwändig ist, Mediensammlungen händisch zu verwalten. Außerdem kann ich die Bibliotheken beider Anwendungen an weitere Macs im Netzwerk oder andere geeignete Geräte streamen. Fotoupload zu Flickr oder Facebook? Auch kein Ding, geht direkt aus iPhoto heraus. Die in Leopard integrierte Backup-Lösung Time Machine ist die beste und simpelste Backup-Software, die mir jemals über den Weg gelaufen ist: configure and forget. Wobei die Konfiguration sich darauf beschränkt, das Ziellaufwerk für das Backup auszuwählen. Hab ich schon den UNIX-Unterbau erwähnt? Kurz ein Terminal spawnen und per SSH mit einer meiner Remote-Linux-Maschinen verbinden. Kein PuTTY (wie unter Windows) erforderlich, es geht alles mit nativen Mitteln. Die leistungsfähigen Kommandozeilentools von UNIXoiden Systemen stehen mehr oder minder vollständig zur Verfügung. Ich kann also grepen, bis ich umfalle.
Anwendungsinstallation? Ich ziehe mir das DMG (Disk Image) von der Installationsquelle, ziehe per Drag’n'Drop das Anwendungssymbol in mein Programme-Verzeichnis, fertig. Deinstallation? Anwendungssymbol in den Papierkorb ziehen, (fast) fertig. Export von Bild- oder Musikdaten aus den weiter oben genannten Anwendungen? Drag’n'Drop in das Zielverzeichnis, fertig. OS X ist ein Drag’n'Drop-System, beinahe alle Aufgaben lassen sich per Drag’n'Drop erledigen, nur selten muss man sich durch umständliche Menüs quälen.
Die APIs von Apple sind einfach nur genial. So kann beispielsweise jeder Programmierer seine Applikation auf das Adressbuch oder den Kalender des Benutzers zugreifen lassen und Daten holen und schicken. Der aktuelle Track aus iTunes lässt sich auslesen. Es gibt einen Haufen von Animationsklassen, die man recht simpel in seinem eigenen Code verwenden kann, man muss also die ganzen aufwändigen Animationen nicht per Hand schreiben. Deswegen haben die meisten Anwendungen, die für OS X geschrieben werden auch einen Look, der sich perfekt in das restliche System integriert. Weil Apple einem einfach alles an die Hand gibt.
Benutzer von Mac OS X sind faule Menschen. Sie wollen ihre Arbeit so schnell und effizient wie möglich erledigen. Für die Programmierer gilt das gleiche. Das funktioniert unter OS X auch einfach, weil Apple einem mit all seinen Vorlagen viele nervige Aufgaben abnimmt. Dank AppleScript ist es möglich, sämtliche Anwendungen, die Apple mit den Macs ausliefert zu scripten, also beispielsweise ein Script zu schreiben, das iTunes startet und ein bestimmtes Lied spielt. Wer sich nicht zu schade ist, einfache Scripte zu schreiben, kann wirklich viele wiederkehrende Aufgaben mittels der mehr als einfachen Syntax von AppleScript beinahe vollständig automatisieren. Apropos automatisieren. Habe ich den Automator schon erwähnt? Der Automator ist ein weiteres Helferlein, der einem wiederkehrende Arbeiten abnimmt.
Mein Fazit: seit ich Mac OS nutze, verbringe ich deutlich weniger Zeit mit der Administration meines Systems als noch zu Zeiten von Windows oder gar Linux. Wobei ich ehrlich gestehen muss, dass ich Ubuntu mittlerweile als Produktivsystem Nr. 1 einsetzen würde, würde es Mac OS nicht geben. Windows 7 ist ein gewaltiger Schritt von Microsoft gewesen, endlich kann man mit Windows wieder arbeiten. Aber nichtsdestotrotz ist und bleibt Mac OS mein favorisiertes System. Nicht zuletzt wegen der genialen Hardware, aber das Betriebssystem nimmt mir so viel Arbeit weg. Die verfügbare Software ist günstig, lässt sich ohne Urheberrechtsverletzungen im Normalfall auf mindestens zwei Maschinen einsetzen (per user license) und sieht einfach zum Umfallen schick aus. Wer seinen Workflow so ausrichtet, dass er zum OS passt (keine manuelle Verwaltung mehr von Fotos, Musik, etc.) und dazu als Smartphone noch ein iPhone einsetzt, dem stehen viele stressfreie Jahre bevor, da man sich um fast nichts mehr selbst zu kümmern braucht. Die Software nimmt einem alles ab. Und anstatt, dass das Betriebssystem von Version zu Version träger wird, wird es immer schneller. Die Usability von Apple-Soft- und Hardware ist unübertroffen. Nicht umsonst kopieren Microsoft und die Linux-Welt fleissig bei Apple. Die Hardware hat ihren Preis, sicherlich, ist das Geld aber auch locker wert. Wer also nicht auf den Euro schauen muss, dem kann ich den Kauf eines Apple-Systems nur empfehlen. Insbesondere dann, wenn einem die eigene Freizeit zu schade dafür ist, ständig das System zu administrieren und zu reparieren.